Der Gegenentwurf zur Gewinnmaximierung: „Boulangerie LeS COPains“

LeS COPains
Lieu dit La Côte du Seigneur 14340 St. Aubin-s.-Algot (Cambremer)
Erst nachdem ich im Herzen der Normandie angekommen war habe ich verstanden, was es mit dem etwas eigenartig geschrieben Namen der Bäckerei „LeS COPains“ auf sich hat. Eine „SCOP – société coopérative de production“ ist eine Produktionsgenossenschaft zur Lebensmittelherstellung, in der sich mehre gleichberechtigte Mitarbeiter zusammen-finden. Es gibt keinen Chef, jeder arbeitet mit jedem und alle am selben Projekt.
So empfangen mich an meinem ersten Tag Mathilde und Nico, zwei der insgesamt sieben Genossenschaftler. Ich bekomme kurz die Räumlichkeiten gezeigt und schneller als ich schauen kann, habe ich meine Hände in der Teigschüssel (eigentlich ein zu niedlicher Begriff für die großen Holztröge) und starte mit dem Kneten. Das bereits will gelernt sein … Aber der Reihe nach: Ich wohne in einer kleinen Kammer über der Backstube mitten im Grünen, am gegenüberliegenden Hang ragt hinter den Bäumen die Spitze der Dorfkirche heraus, daneben sieht man die obligatorische „mairie“ (erst später erfahre ich, dass sie nicht mehr als solche fungiert und die beiden Etagen als Wohnung an zwei der Bäcker vermietet werden). Um mich herum nur Wiesen, Apfelbäume … und Esel (als Rasenmäherersatz). Sie gehören zum Konzept, das Erik – ein durchgeknallter Holländer – vor 30 Jahren ins Leben gerufen hatte. Er wohnt mit seiner „Compagne“ (Lebensgefährtin), Monique, im Nachbarhaus, ist leidenschaftlicher Musiker, kümmert sich um seine Tiere, seine Obstbaumwiesen, sein Aufforstungsprojekt und natürlich auch um die Backstube. Erik hat sich eine Oase und gleichzeitig ein Projekt für Aussteiger geschaffen: ein wenig Hippie, etwas mehr Öko, eher links als rechts und offen für alles und jeden. „Freunde“ die in Harmonie zusammenarbeiten und weniger ans „große Geld-Verdienen“ denken, wie er es beschreiben würde. Ein Gegenentwurf, der aufgeht.
Einfach Lust am Backen, Liebe zu Teig und Geduld. Mehr brauchts nicht, um in dem Beruf glücklich zu sein.











