Weit und breit keine Handwerksbäcker …
Im Norden Montenegros dominieren Berge und unberührte Natur. Ein paar Kleinstädte haben als Versorgungszentrum meist ein bis zwei Bäckereien. Mit einer Ausnahme in Žabliak habe ich dort jedoch die mitunter schlechtesten Backwaren überhaupt gegessen. Industrieblätterteig mit Marmelade oder Nutella gefüllt, zusammengerollt und dann als Croissant im Backshop verkauft. Brote von denen beim Schneiden die Kruste abfällt.
Ich habe die Suche nach interessanten Bäckereien schon quasi aufgegeben, bis wir auf der 1800 Meter hoch gelegenen Štavna-Alm einkehren. Ein Familienbetrieb mit drei zusätzlichen Angestellten bietet Übernachtungsmöglichkeiten und lokal-typisches Essen an, darunter einige leckere Backspezialitäten. Das hausgemachte Brot aus luftigem Hefeteig mit eigenem Pflaumenmuss schmeckt wunderbar zum Frühstück, ebenso lecker sind die frisch zubereiteten Krapfen mit Honig.
Highlight der Alm-Backkunst ist jedoch die „Pita“, eine Art Burek. Sie wird auf Bestellung gebacken und man wartet schon einmal eine gute Stunde – was sich jedoch lohnt. Ein toller Bergblick und Gespräche mit den Tisch-nachbarn überbrücken die Wartezeit. Währenddessen rollen die Küchenfrauen den Filou-Teig zu einer riesig großen Platte aus, verteilen den typischen „Sir“-Käse (Schafskäse) und je nach Wunsch Kartoffeln oder Spinat darauf. Sie formen danach mindestens ein Meter lange Rollen, die sie spiralförmig zu einer Schnecke zusammenlegen. Knusprig gebacken und auf einer selbstgedrechselten Holzplatte serviert, war ich begeistert von dem Klassiker der montenegrinische Küche, so dass ich beschlossen habe, die Pita der Stavna-Alm stellvertretend für die Backkunst in Montenegro in meine Liste der Handwerksbäcker aufzunehmen.
