Zeitreise in eine „mittelalterliche“ Dorbäckerei …
Beim Osterspaziergang durch den mittelalterlichen Ortskern von Cucuron erweckt ein von Hand bemaltes Schild mit einer Ähre mein Aufsehen. Es hängt an der uralten Eingangstür zum „Fournil partagé“ des Luberon-Örtchens. Nach ein paar gescheiterten Telefonversuchen gelingt es mir mit einem der Bäcker einen Termin für eine kleine Besichtigung abzumachen.
Vieles erinnert mich an mein Praktikum in der Normandie. Holztröge zum Teigkneten, ein alter Holzbackofen, der Geruch von Feuer, Sauerteig und frisch gebackenem Brot liegen in der Luft. Die fertigen Teige ruhen in den typischen Kunststoffwannen und warten darauf geformt und zu Brotleiben ausgebacken zu werden. Mit dabei das momentane Trendbrot in Frankreich, „le petit épeautre“ aber auch das klassische „semi-complète“ oder reines Vollkornbrot. Eine Besonderheit: Brot mit Traubensaft. Statt Wasser wird reiner Traubensaft verwendet. Man benötigt etwas mehr Sauerteig, da der Saft die Fermentation bremst. Eine Mischung aus Weizenbrot und Lebkuchengeschmack – passt hervorragend zu einer Terrine oder foie gras.
Man muss Glück haben, einen Blick in die alte Dorfbackstuben werfen zu können, denn es wird nur montags, mittwochs und freitags gebacken. Wer sicher sein will, ein Bort zu bekommen, gibt am Vortag seine Bestellung telefonisch auf. Ich lerne Benoît und seinen kolumbianischen Mitarbeiter kennen. Er ist gleichzeitig Getreidebauer und verarbeitet selbstverständlich sein eigenes Mehl. Nachdem ich ihnen beim „pétrissage“ und „façonnage“ zusehen kann, komme ich am Nachmittag zum Verkauf wieder – um die fertigen Brote begutachten und kosten zu können. Dabei bin ich nicht der Einzige. Ab 16 Uhr 30 bildet sich eine lange Kundenschlange, die bis Ladenschluss gegen 19 Uhr nicht abreißt. Bezahlt wird unkonventionell an einer Vertrauenskasse, aus der man sich eigenhändig sein Wechselgeld nimmt – eine sympathische Geste nebenbei.
Einfach Lust am Backen, Liebe zu Teig und Geduld. Mehr brauchts nicht, um in dem Beruf glücklich zu sein.








