Zu Besuch beim Dorfbäcker im griechischen Hinterland

Artopoios Christoudis
Epar.Od. Paleochoriou-Agiou Nikolaou, Metagkitsi 630 78
Verlässt man auf der Halbinsel Chalkidiki für nur wenige Kilometer die Küstenstraße, so gelangt man direkt ins landwirtschaftlich geprägte Hinterland. Ein Großteil der Bevölkerung lebt vom Olivenanbau und der Viehzucht. So auch im Dorf Metaggitsi: kleiner Supermarkt, Post, Metzger, drei Tavernen. Morgens fahren Fisch- und Geflügelhändler mit Lebendtieren durch den Ort… und eben ein Dorfbäcker.
Vor fünf Jahren hat der jetziger Besitzer die Backerei Christoudis übernommen, nachdem er zuvor in Thessaloniki angestellt war. Das Tollste an seinem Beruf ist für ihn der Kontakt zu den Kunden – zu sehen, was sie am liebsten mögen, der Duft von frischen Backwaren in seinem kleinen, eigentlich recht unprätentiösen Laden mit direkt angrenzender Backstube genießen. Deshalb steht er auch bereitwillig tagtäglich von 4 bis 15 Uhr in seiner Bäckerei. Ein weiterer Mitarbeiter beliefert mit einem Bäckerauto die umliegenden Dörfer.
Auf der Konditorenschule empfahl ihm sein Lehrer, sich aufs Brotbacken zu konzentrieren, was ihm auch gelang: Süße Backwaren hat Christoudis wenige im Angebot. Die Kunden schätzen seine Brotauswahl aus dem Holzofen. Am beliebtesten ist das typische „Choriatiko kitrino“ (gelbes Brot) – auf dem Grill geröstet gehört es zur Beilagenauswahl jeder Taverne.
Auf die Frage nach seinem Lieblingsprodukt bin ich dann aber doch von der Antwort erstaunt: kein Roggensauerteig-, Pitabrot oder Änliches. Stolz kredenzt er mir seine „Bougatsa krema“, ein Überbleibsel seiner Lehrzeit im hierfür bekannten Thessaloniki. Und ich bin begeistert: Ein Blätterteigrechteck gefüllt mit Crème pâtissière, mit Puderzucker und Zimt bestreut und in acht kleine Häppchen zerteilt. Ich habe das Gefühl, ein riesige portugiesische „Pasteis de Nata“ zu essen.



